Restart

Hier habe ich meine ganz persönliche Corona – Geschichte niedergeschrieben.
Eine Krise hat manchmal auch etwas Gutes – man erkennt plötzlich Dinge, die man vorher nicht gesehen hat.
Wie haben Sie diese Zeit erlebt, inwiefern waren und sind Sie von der Krise betroffen?
Ich freue mich über Ihr Feedback.

Und dann kam Corona

Es war Sonntag, der 15.03.2020. Und es war gleichwohl auch die Ironie des Schicksals, dass ich auf den Tag genau vor 6 Jahren mein Studio eröffnete.

Meine Frau und ich waren auf dem Heimweg von einem Spaziergang, die Stimmung war nicht mehr so ungetrübt wie sonst, bestimmte die aktuelle Situation rund um die Corona-Krise auch unsere Gespräche. War doch irgendwo noch diese unbegründete Hoffnung, dass es die ganze Welt erreicht, aber nicht uns…wie naiv!

Am kommenden Tag habe ich meine  Kunden mit Vorerkrankungen und dem entsprechenden Alter, also die „Risikogruppe“, kontaktiert, um die Termine zunächst bis nach Ostern zu verschieben um dann gemeinsam neu zu entscheiden.
Außerdem hatte ich die Terminsituation inzwischen schon so gesteuert, dass ein Kontakt von Kunde zu Kunde im Studio nicht mehr stattfindet.

Tags darauf wurden die Maßnahmen zur Reduzierung der sozialen Kontakte sowie die Geschäfts- und Betriebsschließungen seitens der Regierung verkündet, was sich massiv auf meine Terminfrequenz innerhalb weniger Stunden ausgewirkt hat. Meine Kunden mussten sich neu organisieren: Homeoffice, keine Kinderbetreuung durch Schließung der Schulen und Kindergärten, voraussichtlicher Wegfall von Einnahmen durch Auftragsstorno oder Kurzarbeit und vor allem die Angst, sich mit dem Virus zu infizieren.

Die für den Menschen so wichtigen sozialen Kontakte gab es nicht mehr.

Nach einem Wechselbad der Gefühle, da zunächst nicht klar war, ob ich meiner Tätigkeit als Personal Trainer weiterhin nachgehen durfte, erreichten mich viele aufmunternde Nachrichten und Anrufe meiner Kunden. Dies motivierte mich nach der ersten Schockstarre umso mehr, nach Lösungen zu suchen, um gerade die Menschen mit Risiko weiter zu betreuen. Denn, für die anderen durfte ich weiterhin da sein. Ich durfte mein Studio unter Einhaltung der Hygiene- & Schutzmaßnahmen geöffnet lassen, da ich ausschließlich im 1:1 Bereich arbeite.
Zusätzlich gewann das Thema Outdoor-Training auch wieder mehr an Bedeutung, welches ich schon länger nicht mehr angeboten habe, da das „Studioleben“ doch sehr bequem ist. Somit musste ich mich auf einmal mit meinem Business und meiner Arbeitsweise nach langer Zeit auseinandersetzen. Alte Denkmuster beseitigen! Deshalb: Krisen stoßen etwas an, bewirken ein Hinterfragen festgefahrener Denkmuster. Für mich hatte das Ganze plötzlich etwas von Neuanfang, auch der Tatsache mancher fragwürdiger Aussagen und Ghostings* geschuldet. Dazu aber mehr im Laufe der Geschichte.

Niemand muss und sollte gerade während einer Krise auf gesunde Bewegung verzichten. Somit konkretisierte sich auch der Gedanke und die Umsetzung von CYBER FROCK® – das E-Personal Training.
Ich wollte damit vermitteln: „Hey, ich bin da. Zwar nicht so, wie wir es gewohnt sind, aber wir können uns immerhin sehen und unterhalten“.
Ich denke, das ist wichtig für uns Menschen in solch einer extremen Situation, in der man die meiste Zeit auf die eigenen 4 Wände eingeschränkt ist und nicht weiß, wie lange dies anhält.
Gerade beim Personal Training baut man über die Zeit des Zusammenarbeitens eine persönliche Bindung auf, sozusagen eine Vertrauensbasis. Allerdings trifft das wohl nicht auf jeden zu, denn es erreichten mich auch Nachrichten, welche mich wirklich nachdenklich stimmten. Darauf gehe ich aber, wie zuvor schon erwähnt, im Laufe der Geschichte und meiner Zeit in Quarantäne, näher ein.

Bei den ersten Online Coaching´s ging es weniger um den Sport oder die Bewegung, sondern vielmehr um den Kontakt. Und alle, die dies in Anspruch nahmen, waren dankbar, dass Alternativen angeboten wurden. Auch wenn ein Online Coaching das Personal Training im Studio oder Outdoor nicht zu 100% ersetzt, so ist es aber eine Möglichkeit, das Training weiterhin individuell auf einem professionell angeleiteten Niveau fortzuführen oder zu beginnen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei den Kunden bedanken, welche die Alternativen zu schätzen wussten. Personal Training hört nicht im Studio auf.
Vielen Dank für Eure Treue! Mit CYBER FROCK® neue Wege sehen…

„Wer nichts ändern will, für den ist die Opferrolle die beste Strategie“
(S. Grieger-Langer)

Montag, 23.03.2020

Inzwischen hatte ich mich mit der aktuellen Situation etwas arrangiert und den Trainingsbetrieb an die aktuelle Lage angepasst.

Eine Krise öffnet Dir die Augen. Wenn Du kurz davor stehst, fast alles zu verlieren, was Du Dir aus eigener Kraft aufgebaut hast, Dir jemand bei voller Fahrt den Anker auswirft, dann ist das auch wie ein Neuanfang. Du hast die Chance, den Kopf in den Sand zu stecken oder Dich kurz zu schütteln und dann aufzubrechen, weitermachen, die Veränderung annehmen. Mit den Mitteln, die Dir momentan zur Verfügung stehen. Da fällt mir ein Zitat von Suzanne Grieger-Langer ein: „Wer nichts ändern will, für den ist die Opferrolle die beste Strategie.“

Und dann gibt es da noch eine weitere Möglichkeit, die man vielleicht aus Bequemlichkeit all die Wochen und Monate vor sich hergeschoben hat: Die Chance, sich von unnötigem Ballast zu trennen, von Dingen, in die Zeit und vor allem Herzblut investiert wurde, außer Ausreden aber nichts zurückgekommen ist. Oder gar nichts. Keine Antwort. Kein Feedback. GHOSTING*.

Quarantäne – wollen reicht nicht

Dienstag, 24.03.2020

Ich hatte gerade ein CYBER FROCK®, also ein Online Training mit einem Kunden. Dieses führte ich von meinem Studio aus durch, als der Anruf meiner Frau kam:

„Bingo, ich hab`s. Pack‘ zusammen, 2 Wochen Quarantäne“!

Meine Frau zeigte seit 2 Tagen Symptome und ließ sich auf das Virus testen. So passiert es, wenn man als Krankenschwester an vorderster Front kämpft und unzureichend mit Schutzausrüstung ausgestattet wird.
Mein erster Gedanke: Sehr fein! Durchlebte ich doch schon die Tage zuvor ein Wechselbad der Gefühle. Und jetzt das. Nicht einmal mehr Outdoor-Trainings, auf welche viele meiner Kunden umgestiegen sind. Naja, dann eben vorübergehend nur noch Online-Trainings von zu Hause, die nächsten beiden Wochen. Zumindest etwas.

​Auch wenn es durch die Quarantäne um meine berufliche Existenz ging war aber schlimmer zu wissen 2 Wochen eingesperrt zu sein. Keine Bewegung an der frischen Luft, kein Auslauf. Wie wird sich das auf meine Fitness, meine Psyche, also letztendlich auch auf mein Kapital auswirken?
Ich dachte mir: „Jetzt fange ich auch an zu rauchen“. Ich habe tags zuvor in einer Zeitschrift gelesen, dass Homeoffice und #stayhome anscheinend das neue Rauchen sei, da es den Bewegungsmangel und die daraus entstehenden negativen Folgen fördere.

Nun haben wir, meine Familie und ich, das Glück, dass wir einen Garten haben und in unserem eigenen Heim wohnen. Somit hatte ich einige Möglichkeiten, mein Trainingsprogramm an die örtlichen Begebenheiten anzupassen: Klimmzüge an der Pergola, Liegestütz und Kniebeugen gehen überall. Bauch lass‘ mal, ist schon genug. Aber…die Ausdauer, meine Läufe waren das, was gefehlt hat.

Dass ein Haus in einer Stunde 10,4 km und 177 Höhenmeter hergibt, weiß ich seit dem 26.03.2020. An diesem Tag habe ich mich mal wieder von festgefahrenen Denkmustern verabschiedet. Ja, es geht! 92 Mal von der Terrasse durch das Treppenhaus, über die Einfahrt und den Waschkeller, um den Teich und das Ganze wieder zurück. Und viel wichtiger: Es ist egal, was die anderen denken, die Nachbarn oder sonst wer. Ich hatte kopfschüttelnde Zuschauer auf der Strasse und Balkon gegenüber. Aber: Man muss es nur wollen, nein, machen. #wollenreichtnicht.

Der erste Tag in Freiheit

Samstag, 04.04.2020 – Meine Frau und ich haben festgestellt, dass sich während der Zeit in Quarantäne für uns gar nicht soviel geändert hat. Wir sind grundsätzlich gerne zu Hause und sind nicht diejenigen, die dauernd weg oder verreisen müssen. Ich saß oft in meinem Büro und habe die Zeit für nach der Quarantäne vorbereitet, neue Personal Training Pakete entwickelt und angefangen, diese Geschichte aufzuschreiben.
Was uns aber gefehlt hat, war die Natur. Der Wald. Unser Wald. Die Spaziergänge, meine Trailrunnings. Dies habe ich selbstverständlich exzessiv nachgeholt.

Entscheidungen treffen – Spargel oder Erdbeere

Wie war das mit Entscheidungen treffen? Ich habe die Worte meines Tennistrainers im Ohr, wenn ich nicht wusste, wie ich einen Ball spielen soll: „Triff eine Entscheidung, auch wenn sie falsch ist. Aber triff eine.“ Vielleicht hat man ja die Chance, mit dem nächsten Ballwechsel diese Entscheidung zu korrigieren.

Ich habe jedenfalls während meiner Zeit in Quarantäne einige Entscheidungen getroffen:

1. Weitermachen und mein Business an die Veränderungen anpassen
2. Von unnötigem Ballast trennen – was nicht lohnt, kann weg!
3. Die momentan entstandenen Lücken mit etwas Sinnvollem zu füllen!

​Unsere Landwirtschaft leidet derzeit nicht nur unter der zu trockenen Witterung, sondern wurde von der Krise genauso getroffen wie viele andere auch. Ich erkannte Parallelen zu meinem Business (selbstständig, die Leidenschaft) und spürte dadurch Solidarität. Außerdem wäre es eine komplett neue Aufgabe, womit ich bisher noch nichts zu tun hatte. Also entschied ich, mich als Erntehelfer auf einem Hof in der Region zu bewerben und bekam auch prompt die Zusage. Meiner Fitness sei Dank wahrscheinlich. Die Chefin betonte, dass gerade hierfür eine gute körperliche Verfassung und Belastbarkeit von Vorteil ist. Ich hoffe, dass sich mein Training nun unter „Wettkampfbedingungen“ bezahlt macht.

Ich bin sehr gespannt, ab Ende April geht es los und ich werde an dieser Stelle von meinen ersten Erfahrungen berichten. Achso, ich habe mich für die Erdbeerernte entschieden…

„Weiter, immer weiter“ (O. K.)*

Da ist es wieder – Ghosting*.

​Vielleicht gehört es bei manchen zum guten Ton dazu , ohne jegliche Information den Kontakt abzubrechen oder Zusagen nicht einzuhalten.
Dachte ich zunächst, dieses Phänomen tritt nur bei Personen und Kontakten im näheren Umfeld auf, so muss ich leider feststellen, dass dies auch im Geschäftsleben stattfindet. Sie erinnern sich? In meinem letzten Beitrag vom 08.04.2020 traf ich die Entscheidung, entstandene Lücken sinnvoll zu füllen und folgte dem Hilferuf der Landwirtschaft. Nach einer sehr sympathischen Kommunikation und positiver Rückmeldung seitens des Hofes warte ich nun doch schon vier Wochen auf meinen Einsatzplan. Ebenso auf die Antwort meiner Nachfrage, wann es denn nun losgehen solle. Nichts. Kein Rückruf. Keine E-Mail. Ghosting. 

​Der letzte Monat war mit Abstand der bescheidenste, seit ich vor 6 Jahren mein Studio eröffnete. Allerdings hatte ich auch viel Zeit, mich mit Dingen zu beschäftigen, die ich lange vor mir hergeschoben habe. Gedanken, welche in verschiedene Richtungen gingen. Ob und wie werde ich mein Business weiterführen? Was könnte der nächste Schritt sein? Ein großer Torhüter der 1990-er und 2000-er Jahre sagte einmal: „Weiter, es geht immer weiter“.*
​Dieser Satz verfolgt und motiviert mich seither wie ein Schatten. #wollenreichtnicht.

Auch wenn von Entspannung noch keine Rede sein kann, merkt man, dass es die Menschen wieder mehr nach draußen zieht, dass der Kontakt zu anderen fehlt. Dieses wirkt sich ganz langsam auf meine Terminsituation aus. So haben mir auch während der Krisenzeit neue Kunden das Vertrauen geschenkt. Somit werde ich all meine Energie und Leidenschaft weiter ins Personal Training stecken. Zwar auf einem etwas anderen Weg, bedarf es doch manchmal eines einschneidenden Ereignisses, etwas zu verändern. Doch dadurch noch breiter aufgestellt, um noch flexibler und individueller als bisher auf die Bedürfnisse meiner Kunden reagieren und eingehen zu können.

Und zu dem erneuten Ghosting sage ich nur: „Dann pflückt Eure Erdbeeren doch alleine!“

* Oliver Kahn, 19.05.2001

Was macht Corona mit uns?

Rückblick 24.03.2020 – Ich dachte, ich sei „unverwundbar“. Trotzdem war es letztendlich die logische Konsequenz, dass ich mich bei meiner Frau angesteckt habe. Seit Beginn ihrer Symptome gingen wir auf Abstand – getrennt schlafen, getrennt essen, kaum Kontakt – somit muss es in den Tagen davor passiert sein.
Jedenfalls wachte ich am vierten Tag in Quarantäne mit einem leicht fiebrigen Gefühl auf, dachte mir aber, dass ich mir das wohl einbilde, da es mir im Vergleich zu meiner Frau gut ging. Auch wenn sie ebenfalls einen eher milden Verlauf hatte, kamen bei ihr Kurzatmigkeit und ein Schwächegefühl dazu, was sich bei mir nicht zeigte.

Wir mussten jeden Tag Fieber messen und dieses Ergebnis an das Gesundheitsamt melden…also doch leicht erhöhte Temperatur bei mir – 37,5 Grad. „Das muss wohl an der unruhigen Nacht gelegen haben“, versuchte ich es mir schön zu reden. Ich schlief ja inzwischen seit fast einer Woche auf der Couch. Somit beschloss ich trotzdem, mein Vorhaben, die berühmten 10,4 KM durch das Haus und den Garten, läuferisch zu absolvieren (siehe Blog vom 24.03.2020).
Ob dies im Nachhinein ein Fehler war, weiß ich nicht. Allerdings setzten kurz danach bei mir Halsschmerzen ein und das Fieber hielt sich dann doch konstant fünf Tage lang bei 38,7°.

​Vielleicht war dies auch der Grund, weshalb ich eines Morgens, genauer gesagt am  Samstag, den 28.03.2020, direkt nach dem Aufstehen zu meiner Frau gesagt habe, dass ich heute Nacht die Entscheidung getroffen habe, mein Studio zu schließen!
​Für mich war zu diesem Zeitpunkt alles aussichtslos. Ich befand mich in der ersten Hälfte der Quarantäne, konnte daher nicht einmal die Termine zum Personal Training Outdoor wahrnehmen und diese paar Online Coachings könnte ich mir dann auch sparen. Somit stand die Entscheidung, im Laufe des Tages meine Vermieterin zu kontaktieren, fest. Nur meine Frau meinte darauf relativ nüchtern: „Warte noch bis Montag, das ist das Fieber. Das macht Corona mit uns.“ Und wie sie Recht hatte!

Am nächsten Tag war der Spuk bei mir vorbei. Wie auf Knopfdruck. Das soll es gewesen sein? Um dieses Phänomen machen alle einen riesengroßen Hype? Ich kann mich wohl glücklich schätzen, dass ich einen sehr milden Verlauf sowie anscheinend -zig-tausend weitere Menschen in Deutschland ohne weitere Nachwirkungen hatte.

Wenn ich jetzt durch den Wald laufe und ich mich einmal wieder über die Menschen ärgere, die es nicht für nötig halten zu Grüßen und verkrampft an einem vorbeischauen, entschuldige ich dieses Verhalten mit den Worten meiner Frau: „Das macht Corona mit uns.“ Trotzdem: Blickkontakt ist nicht ansteckend.

*Ghosting:
Unter dem Begriff Ghosting (engl. „Geisterbild“, „Vergeisterung“) versteht man in einer zwischenmenschlichen Beziehung (Partnerschaft oder Freundschaft) einen vollständigen Kontakt- und Kommunikationsabbruch ohne Ankündigung. Obwohl vorher etwa Dates stattgefunden haben oder eine Beziehung bestand, laufen plötzlich jegliche Kontaktversuche ins Leere.
Quelle: Wikipedia

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